JR und die Residenz

Vom einzigartigen Künstler der Street-Art bis hin zum Punsch in höflicher Kulisse

Die erste deutschsprachige Ausstellung des französischen Künstlers JR war dieses Jahr in der Kunsthalle in München zu finden. Die Klasse 8f wollte sich das nicht entgehen lassen und fuhr dorthin. Bereits im Vorfeld beschäftigten wir uns im Unterricht mit JR, seinen Werken und seiner Philosophie.

Sein Markenzeichen: Unbekannte Menschen auf der Straße fotografieren, diese interviewen und ihre Fotos in überdimensionaler Größe an verschiedenste Gebäude anbringen, um ein Zeichen zu setzen. Mit seinen riesigen Plakationen prangert er Ungerechtigkeit und Unterdrückung an, kann aber auch Hoffnung ausstrahlen. So findet man an der Grenze zwischen den USA und Mexiko ein Kind, das vermeintlich über den Grenzzaun schaut, ein ukrainisches Mädchen, das so groß am ukrainischen Boden angebracht ist, dass es Piloten aus der Luft erkennen, oder Gesichter, die an der Betonwand zum Gazastreifen angebracht sind, von denen nicht mehr zu erkennen ist, ob Juden, Christen oder Araber. Sein Ziel ist es, Menschen zur Kommunikation anzuregen. Und das schaffte er auch mit uns. All seine Projekte regen zum Nachdenken an, und auch wir fragten uns, wie er auf diese teils einfachen, aber genialen Ideen kommt, die Welt aufzurütteln. Die Ausstellung war multimedial gestaltet, so dass man am Ende viele seiner Kunstwerke und die Hintergründe dazu kannte: Man konnte die Interviews der fotografierten Menschen hören, man wusste, wo auf der Welt er überall seine Spuren hinterlassen hat, und es gab auch einen Film, in dem der Künstler selbst von sich erzählte. Im Rampenlicht stehen Menschen wie du und ich und ihre Geschichten.

Man kann sagen, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren: Hier konnten wir Kunst erleben, die einen anspricht, unabhängig von Kultur und Herkunft.

Nach der Ausstellung verweilten wir noch am Weihnachtsmarkt im Innenhof der Residenz. Hier fühlte man – im Gegensatz zur JR-Ausstellung – die fürstliche Umgebung: Punsch, gebrannte Mandeln, Lebkuchen und Weihnachtsmusik inmitten königlicher Kulisse. Eine Zeitreise in die abendländische Adventskultur.

Der Tag war für die Schüler ein eindrucksvolles und nachhallendes Erlebnis, welches uns bis zum Ende des Schuljahres begleitete: Wer genau hinsieht, stößt im Klassenzimmer auf Postkarten mit Motiven von JR, die unauffällig hier und da platziert sind.

Annette Vesic

Schreibe einen Kommentar

Nach oben scrollen